Geschichte

Grundlage und Geschichte des Bürgerbus-Vereins
Essen-Haarzopf/Margarethenhöhe/Rüttenscheid e. V.  

  

   1. Die topografische Situation

Schon im Eingemeindungsvertrag zwischen der Stadt Essen und der Landgemeinde Heißen hieß es in bemerkenswerter Weise über Teile aus Flur B und C der Gemarkung Fulerum vom 23. April 1910 unter § 6:
„Die erweiterte Stadtgemeinde Essen wird dem Ausbau der öffentlichen Wege in dem einzugemeinden Bezirke besondere Fürsorge widmen, insbesondere auf die baldige Schaffung eines direkten Verbindungsweges mit Essen-Rüttenscheid bedacht sein." (Quelle: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Düsseldorf 1910, Stück 16) 

 
Warum? 

Zwischen den Flüssen Ruhr und der weiter nördlich fließenden Emscher liegt eine Wasserscheide, welche vor der intensiven städtischen Besiedelung im Gelände gut erkennbar war und ebenso wie Ruhr und Emscher etwa von Osten nach Westen verläuft. Heute folgt dieser Wasserscheide die Straßenverbindung von Mülheim an der Ruhr zur Hatzperstraße und weiter zur Frankenstraße bis über den Stadtwaldplatz in Richtung Heisingen. 

Die Abflüsse von dort nach Norden haben schon in der Eiszeit tiefe Siepentäler gebildet und münden in den Borbecker Mühlenbach und mit diesem in die Emscher. So liegen zwischen dem Doppelstadtteil Haarzopf/ Fulerum und der Margarethenhöhe das Nachtigallental und zwischen der Margarethenhöhe und Rüttenscheid sowie im Bereich der Gruga die Siepentäler als gewisse natürliche Hindernisse für eine leichte verkehrsmäßige Erschließung.   

Eine Fortsetzung erfährt diese Oberflächengestaltung durch eine kleine Erhebung, die früher als Handelsweg von Kettwig genutzt wurde. Dieser sog. Rücken, auch eine Wasserscheide Richtung Norden, führt von Kettwig aus über die Norbertstraße etwa dem heutigen Verlauf der A 52 folgend mitten durch Rüttenscheid bis zum Zentrum von Essen. Diese Wasserscheide teilt durch ihren östlichen Abfluss zur Ruhr und ihren westlichen zum Borbecker Mühlenbach noch einmal Rüttenscheid.
 
Durch die topografischen Gegebenheiten im mittleren Süden von Essen gibt es deshalb bis heute Erschwernisse einer zügigen verkehrlichen ÖPNV-Ost/West-Verbindung der drei Stadtteile Haarzopf/Fulerum, Margarethenhöhe und Rüttenscheid.


    2. Der Bedarf 

   a) Z. Zt. des Neubaus der sog. Wienenbuschbrücke über den Borbecker Mühlenbach zwischen Fulerum und Frohnhausen im Jahre 1997 mussten die dort nach Essen hineinführenden Linien CE 145 und 147 unterbrochen werden, sodass sich für die Bewohner Essen-Haarzopfs und Fulerums weitere Erschwernisse ergeben hätten, die Stadtzentrenwienenbuschbruecke1 15 4 96 zu erreichen. Von der EVAG wurde deshalb eine sog. Direktlinie D 97 eingerichtet, welche von der Baustelle Wienenbusch ab Fulerumerstraße über Haarzopf/ Erbach/ Karstadt - unter Vernachlässigung der Margarethenhöhe - über Polizeistation/ Grugabad/ Martinstraße/Franziska- straße zur Endstation Wittekindstraße in die unmittelbare Nähe des Alfried Krupp Krankenhauses führte.
Trotz des weiterhin angemeldeten Bedarfs wird diese Ost/West-Spange heute von der EVAG nach Fertigstellung der Wienenbuschbrücke aus Kostengründen nicht mehr bedient und die Linie D 97 wurde eingestellt.

wienenbuschbruecke

b) Während des Betriebes der D 97 war die schnellere Erreichbarkeit des Alfried Krupp Krankenhauses ohne Umsteigenotwendigkeit von Haarzopfer Bürgern sehr gelobt worden. Die von Haarzopf nach Rüttenscheid linienführende EVAG fährt nämlich nur über die 194 von Erbach nach Bredeney mit Umsteigemöglichkeit auf die 101 und 107 bis zur Florastraße mit dann notwendigem Fußweg zum Krankenhaus. Sie erfordert zudem von Haarzopf her gegenüber der vorgesehenen Bürgerbuslinie viel längere Fahrzeiten und nimmt insbesondere die Margarethenhöhe nicht mit.


Bedarf wird sogar aus dem Bereich Rüttenscheid, so u. a. z. B. zum Erreichen des von der Gruga umschlossenen Südfriedhofs an der Lührmannstraße angemeldet. GRUGA und Messe sind so ohne Parkplatzsorgen erreichbar; und Mondscheinfahrten an besonderen Tagen bis 1.30 Uhr (Altweiber und Rosenmontag, RÜ- und GRUGAfeste u. a.) ergänzen die Möglichkeiten des Bürgerbusses.
 
    3. Ein Bürgerbus als Problemlöser
 
   a) Die Idee der Bürgerbusse – Motto "Bürger fahren Bürger" - ist inb logo Nordrhein-Westfalen zwar schon älter, feierte doch der Bürgerbus Heek/Legden im Kreis Ahaus unter großer Beteiligung eines Korsos von 42 Bürgerbussen und über 300 ehrenamtlichen Bürgern aus der Fahrerschaft und der Anwesenheit des nordrhein-westfälischen Verkehrsministers Horstmann im Festsaal von Ahaus im März 2005 schon sein 20-jähriges Bestehen.

   b) Als nun bei einem Treffen des Stadtverbandes der Bürger- und Verkehrsvereine Essens im Jahre 2003 in Kettwig der dort seit einem Jahr existierende Bürgerbus Kettwig vorgestellt wurde, fiel es dem damaligen Vorsitzenden des Bürgerverein Haarzopf/Fulerum, Hans Zilles, wie Schuppen von den Augen, hatte doch die Einstellung der D 97 in Haarzopf zu einem Trauerkonvoi mit einem Sarg, auf dem D 97 stand, und mit von schwarzen Luftballons geschmückten Autos zur EVAG-Verwaltung am Ehrenhof an der Zweigertstraße geführt und die Erinnerung an die ehemalige D 97 wachgehalten. Besonders viele Haarzopfer hatten ja die bessere Erreichbarkeit Rüttenscheids und insbesondere des Alfried Krupp Krankenhauses schätzen gelernt. Es hatte sich durch die D 97 zudem gezeigt, dass ein Fahrtgast-Mehraufkommen von 17% entstand, welches aber für eine kostendeckende EVAG-Buslinie nicht ausreichte.

Diese Rückbesinnung führte letztlich dazu, den Bürgerbus für die Deckung des zusätzlichen Bedarfs an Fahrtmöglichkeiten von Haarzopf sowie von der Margarethenhöhe anzudenken. Er wird von Haarzopf kommend über die Lührmannstraße der Gruga bis zum Alfried Krupp Krankenhaus führen und dem Gedanken des Eingemeindungsvertrages von 1910 gerecht.

   c) Baldige Kontakte mit der von der D 97 vernachlässigten Bürgerschaft Margarethenhöhe, sodann auch mit dem Bürgerverein Rüttenscheid und dem Alfried Krupp Krankenhaus ließen auf eine gemeinsame Lösung hoffen. Im Herbst 2003 war ein Bürgerbus-Verein als notwendiger Träger eines Fahrbetriebes gegründet und bald im Vereinsregister des Amtsgerichts Essen eingetragen. Hans Zilles wurde erster Vorsitzender und nahm die weiteren notwendigen Kontakte auf.

Von der Steuerungsstelle ÖPNV der Stadt Essen und von der EVAG wurden die Initiatoren denn auch nicht unfreundlich empfangen. Bald kamen von dort hinsichtlich der Finanzierung und Linienführung fördernde Hinweise, sodass der nächste Schritt folgen konnte, nämlich die Bezirksvertretungen Essen-West (BV III) und für Rüttenscheid (BV II) – zuletzt nach Kontakten mit Bredeney-Aktiv, der dortigen jungen Bürgervereinigung, wegen den vorgesehenen Haltestellen Engelsruh und Am Alfredusbad - auch die für Bredeney (BV IX) für das Projekt zu gewinnen. Dies alles verlief problemlos aber auch zeitraubend und fiel auf fruchtbaren Boden, ja wird von den Bezirksvertretungen auch finanziell unterstützt.


   4. Konkrete Finanzierung
Im Rahmen einer vom Verkehrsministerium am 22. Oktober 2003 erlassenen Zuwendungsrichtlinie (Quelle: Ministerialblatt NW 2003, S. 1473 ff.) werden neben dessen Zuschüssen von € 30.000,00 für das Fahrzeug und jährlich € 5.000,00 als sog. Organisationspauschale für das Vereinsleben etwa ein gutes Drittel der notwendigen Mittel durch verkaufte Tickets, Sponsoren und Werbung auf den Bussen aufgebracht.

Über die zugesagten Mittel der Bezirksvertretungen hinaus erklärte sich so alsbald die Sparkasse Essen bereit, mit einem größeren Betrag zu helfen. Als dann die Stadtwerke Essen die Möglichkeit erkannten, dass der Bus mit Erdgas gefahren werden könne, war der zweite große Sponsor gewonnen. Das Alfried Krupp Krankenhaus versprach Hilfestellung für die Pausen bei der dortigen Endstation: Aufenthaltsmöglichkeiten im Pausenbereich mit Stellplatz für den Bus, Nutzung der Snackbar in der Ambulanz und WC-Benutzung für "Mädchen und Jungen".


   5. Die Linienführung
Die Linienführung des Bürgerbusses beginnt im Gebiet der sog. Reinecke-Fuchs-Siedlung in Haarzopf mit den Haltestellen Sonnenscheinsweg, Gockelweg, Raadter Straße, Am Fichtenbusch, Fuchskaul, Milkdelle, Folkersbeck, Tommesweg, Engelsruh, Am Nachtigallental, Margarethenhöhe, Hoher Weg, Lührmannstraße, Kühlshammerweg, Südfriedhof, Silberkuhlshof, Messe-Süd, Am Alfredusbad, Manfredstraße und endet schließlich am Alfried Krupp Krankenhaus.
Google maps Streckenverlauf klein
 

    6. Der Nutzerkreis
Der Nutzerkreis dürfte sich zunächst vorwiegend aus älteren Mitbürgern zusammensetzen wie schon die Kettwiger Bürgerbussituation gezeigt hat. Allerdings ist wegen der EVAG-Anschlussstellen U 17 (Lührmannstraße), U 11 (Messe-Süd) und 101/107 (Am Alfredusbad) auch mit Umsteigefahrgästen, insbesondere Schülerfahrten zu rechnen. Die Tarifstrukur findet sich unter dem Navigationspunkt "Tarife/Tickets > Tarifstruktur".

 

 

 

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